Vorwort ·
In der westlichen Zivilisation leben wir rein intellektuell. „Europa wird vom Gehirn gehalten, vom Denken, aber der Erdteil zittert, das Denken hat seine Sprünge“ (Gottfried Benn).
Was ist das Denken? Was sind unsere Gedanken? Bei der Frage: „Was ist der Mensch?“ wird das Denken schnell vorausgesetzt, als der Vorgang, mit dem wir die Frage nach dem Menschsein beantworten können. Muss man nicht zuerst das Denken mit seinen Gedanken verstehen, um den Appell „Mensch, erkenne dich selbst!“ nachkommen zu können? Am Anfang war der Gedanke, wie dies die bekannten Verse aus dem Talmud zum Ausdruck bringen:
„Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.“
Gibt es also ein aufmerksames Denken, das die Gedanken selbst bedenkt? Ist unser Denken mit unserem Bewusstsein identisch oder wohnen ach! zwei Geister in meinem Kopf? Die Quantenphysik scheint dies mit der „Superposition“ zu bestätigen, indem sie erklärt, dass sich Elementarteilchen in mehreren Zuständen befinden können. Und umgekehrt: Gerade im Vollzug des Menschseins ist man bemüht, diese Dualität im Leben, die innere Zerisseneit aufzuheben, indem wir nicht nur mit unserem Gehirn uns und die Welt kategorisieren und katalogisieren, sondern aufmerksam eins werden mit der Mitwelt. Äußerungen davon gibt es wiederkehrend in Kunst und Religion (Kain-Abel, Mose-Aaron, Johannes-Jesus, Mohamed-Ali und im Zen-Buddhismus).
Bedeutet auf unsere Gedanken achten, stillschweigend als Zuschauer der Vorstellung beizuwohnen, gleich einem Schattentheater wie in Platons Höhlengleichnis? Sind wir Angler am Gedankenfluss und ab und zu fischen wir einen „dicken Brocken“ heraus, wie beispielsweise den Gedanken, einen freien Willen, ein freies Willenszentrum im Hirn zu haben? Der Fisch stinkt vom Kopf. Wie frei sind mithin unsere Gedanken? Denken wir oder werden wir gedacht? Ein flüchtiger Gedanke, immer wiederholt, kann übermächtig werden und den Menschen beherrschen. Sind wir frei, weil wir meinen, denken und tun zu können, was wir wollen oder sind wir frei, weil wir erkennen, wie wir von unseren Vorstellungen beherrscht werden? Sind wir, weil wir Gedanken haben? Das kartesische „cogito, ergo sum“ geht klar davon aus, dass das Ich denkt. Wie man sich irren kann, Augustinus’ „si enim fallor, sum“ klingt daneben noch verrückter.
In der westlichen Zivilisation leben wir rein intellektuell und das deutsche Gehirn hat einen Marktwert von 130000 EUR. Da sieht man mal, was für ein „goldenes Kalb“ wir auf den Schultern tragen in Zeiten der Schurkenweltwirtschaft. Passen wir auf! vor den Spekulanten mit den Dichtern und Denkern! Das deutsche Gemark ist bald nichts mehr wert. Andere übernehmen unser Denken in Zeitung, Rundfunk, Fernsehen. Wir leben unter sprachverarmenden Lebensbedingungen, was gleich bedeutend ist, dass wir unter gedankenverlorenen Lebensbedingungen leben. Unser Zerebrum ertrinkt in der Informationssintflut. Der Überfluss an Informationen, mit denen unser Denken täglich konfrontiert ist, führt zur Orientierungs- und Interesselosigkeit. Das eigenständige Denken geht zu Grunde.
Metahirns Memorabilien enthält ein Sammelsurium an Texten, die um die Frage kreisen: Wer ist, der denkt? Gleichzeitig dient das Portal Metahirn dazu, sich einzumischen. Über den Sinn und Unsinn dieser Exkremente lässt sich streiten. Metahirn gefällt der Gedanke, mit Hilfe des Internet das Gesamtbewusstsein der Menschheit zu beeinflussen.
MH